Weltwirtschaftskrise innerhalb der nächsten Monate?

Genau hingehört: Die Banker sagen uns, wie es weitergeht

Michael Snyder 10.02.2015

Steht eine schwere Weltwirtschaftskrise unmittelbar bevor? Schenkt man aktuellen Warnungen bekannter Banker aus aller Welt Glauben, bricht eine derartige Krise innerhalb der nächsten Monate über uns herein. Wie ich Ihnen zeigen werde, warnen die Großbanken vor einem weiteren Sturz des Ölpreises auf unter 20 Dollar pro Fass. Sie warnen davor, dass ein Ausstieg Griechenlands aus der Euro-Zone den Wechselkurs von Euro zu Dollar auf 0,9 drücken könnte. Und sie warnen davor, dass die Weltwirtschaftsleistung dieses Jahr um über 2000 Mrd. Dollar schrumpfen könnte. 

Was die Großbanken für ihre Kunden schreiben, verhallt meistens ungehört beziehungsweise ungelesen. Das kennen wir natürlich schon, denn auch unmittelbar vor Ausbruch der Finanzkrise von 2008 wurden viele Leute in den Großbanken sehr, sehr nervös. Heute macht sich wieder Angst an der Wall Street breit, denn niemand kann wirklich überblicken, was als Nächstes geschehen wird. In einem sind sich jedoch immer mehr Experten einig – was auch geschehen wird, es wird nichts Gutes sein.

Beginnen wir mit dem Öl. Während der vergangenen Wochen hat eine Rally den Ölpreis wieder auf über 50 Dollar pro Fass gehoben. Das ist zwar immer noch katastrophal niedrig, aber es hat bei vielen die Hoffnung geweckt, dass der Preis wieder in einen Bereich klettern könnte, unter dem die Weltwirtschaft nicht so leidet.

Leider gehen die Experten der Großbanken größtenteils vom genauen Gegenteil aus. DieCitibank beispielsweise spekuliert, dass der Ölpreis dieses Jahr bis auf 20 Dollar absacken könnte:

»Die jüngste Rally bei den Rohölpreisen wirkt eher wie ein Fehlausbruch als wie eine nachhaltige Wende. Der Rückgang bei der Zahl der Bohrplattformen in den USA, die fortwährenden Kürzungen bei den Upstream-Kapitalausgaben, die Ergebnisse der technischen Daten und der Umstand, dass Investoren ihre Short-Positionen abdecken, trug den 8,1-prozentigen Anstieg bei Brent und den 5,8-prozentigen Anstieg von WTI über Ende Januar hinaus in die erste Februarwoche.

Kurzfristig tendieren die Marktfaktoren eher zur Baisse und sprechen für weiteren Preisdruck in den nächsten Monaten und darüber hinaus. Es herrscht auf dem Markt nicht nur ein Überangebot, aber der resultierende Lageraufbau dürfte sich fortsetzen, bis die Lager voll sind. […] Während die schwimmende Lagerung an ihre Grenzen stößt, steigt der Druck, Produktionskapazitäten einzumotten.

Irgendwann zwischen Ende Q1 und Anfang Q2 sollte der Ölmarkt im unteren Bereich der 40-Dollar-Region die Talsohle erreichen. Anschließend sollten die Märkte anfangen, wieder ins Gleichgewicht zu kommen, indem sie zunächst den Lageraufbau beenden und später nachhaltig auf die Lager zugreifen. Ein exakter Tiefpunkt ist unmöglich zu benennen. Infolge des Überangebots und der Lagerökonomie könnte der Preis für ein Fass WTI weit unter 40 Dollar fallen, möglicherweise für eine Weile bis in die 20-Dollar-Region.«

Bohrplattformen werden in einem Tempo geschlossen, wie wir es seit der letzten Rezession nicht mehr erlebt haben, aber dann ist das weltweite Angebot immer noch viel, viel größer als die weltweite Nachfrage. Der Barclays-Analyst Michael Cohen erklärte auf CNBC kürzlich, dass derzeit das überschüssige Angebot gut und gerne eine Million Barrel pro Tag beträgt:

»In den vergangenen Wochen haben wir einen schwindelerregenden Abfall der Bohranlagen um etwa 80 bis 90 Anlagen pro Woche beobachtet. Wir glauben jedoch, dass es wichtigere Aspekte zu bedenken gibt und dass die Zahl der Bohranlagen nicht die gesamte Geschichte erzählt.

Wenn die Zwischensaison für die Nachfrage anbricht, rechnet er mit einigen Schwächen, außerdem gebe es ein überschüssiges Angebot in der Größenordnung von etwa eine Million Barrel pro Tag, so Cohen.«

Erschwerend kommt hinzu, dass viele Firmen es sich schlichtweg nicht leisten können, ihre Produktion zu drosseln. Viele sind extrem verschuldet und haben schon massive Probleme, überhaupt ihre Kredite bedienen zu können. Sie müssen fördern, damit sie Einnahmen haben und ihren finanziellen Verpflichtungen nachkommen können. Hier eine Aussage der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ):

»Vor diesem Hintergrund der hohen Verschuldung schwächt ein Ölpreisverfall die Bilanzen der Produzenten und sorgt für Kreditknappheit. Das kann den Preisverfall verschlimmern, weil beispielsweise mehr Vermögenswerte aus dem Ölgeschäft veräußert werden. Mehr Produktion wird dann als Termingeschäft verkauft«, so die BIZ.

»Zweitens reduziert ein geringerer Ölpreis den Cashflow und verstärkt das Risiko von Liquiditätsengpässen und die Gefahr, dass Firmen ihre Zinsen nicht bedienen können. Die Anforderungen des Schuldendienstes könnten dazu führen, dass die Ölförderung fortgesetzt wird, um den Cashflow aufrechtzuerhalten. Das zögert eine Reduzierung des Angebots auf dem Markt weiter hinaus.«

Letztlich werden viele Energieunternehmen ins Gras beißen, wenn der Ölpreis dieses Jahr nicht wieder deutlich anzieht, und wer als Finanzdienstleister viele Schulden dieser Firmen oder viele Energiederivate hält, dürfte ebenfalls kräftig ins Schlingern geraten. Unterdessen wächst die Weltwirtschaft langsamer und langsamer.

Am Montag wurde gemeldet, dass derBaltic Dry Index auf seinen bisher niedrigsten Stand überhaupt gefallen ist. Selbst in den dunkelsten Stunden der vorigen Rezession war dieser wichtige Preisindex aus der Schifffahrt nicht so weit abgesunken.

Und möglicherweise ist das erst der Anfang, warnen einige Experten der Großbanken. David Kostin von Goldman Sachs beispielsweise geht davon aus, dass 2015 das Umsatzwachstum der Unternehmen im S&P 500 bei null Prozentliegen wird:

»Nachdem die Umsatzprognosen seit Oktober um fünf Prozent gesenkt wurden, liegt die Konsensprognose für das Umsatzwachstum der S&P-500-Konzerne bei null Prozent. Der niedrige Ölpreis im Zusammenspiel mit Gegenwind von den Devisenmärkten und mit Pensionsausgaben hat die Gewinne pro Aktie in Q4 und die Erwartungen für 2015 gedrückt.«

Aber es geht noch pessimistischer. Laut der Bank of America wird die Weltwirtschaftsleistung 2015 sogar um 2300 Mrd. Dollar schrumpfen.

Es ist vor allem die anhaltende Krise in Griechenland, die unsere Wirtschaftsprobleme noch deutlich verschlimmern könnte. Findet sich kein Kompromiss und einigen sich die Verhandlungsparteien nicht auf eine neue Finanzierung der griechischen Schulden, besteht die sehr reale Möglichkeit, dass Griechenland die Euro-Zone verlässt. Und wenn das geschieht, wenn Griechenland tatsächlich aus dem Euro ausschert, gerät die Zukunft der Währungsunion insgesamt in Gefahr. Der Euro wird völlig kollabieren.

Natürlich bin ich nicht der einzige, der zu dieser Einschätzung kommt. Analysten von Morgan Stanley prophezeien, dass nach einem »Grexit« der Wechselkurs von Euro zu Dollar auf 0,90 stürzen könnte:

Zwei Tage vor einem Krisentreffen mit den Finanzministern der Euro-Zone hat der griechische Ministerpräsident noch einmal bekräftigt, dass seine Regierung das internationale Hilfsprogramm für sein Land ablehnt. In seiner Regierungserklärung deutete er eine Anhebung des Mindestlohns an, eine Wiedereinführung des Grundfreibetrags in der Einkommenssteuer und einen Stopp der Infrastruktur-Privatisierungen. Sollte Griechenland seinen derzeitigen Kurs fortsetzen und weiterhin Finanzhilfe verweigern und sollte die EZB weiterhin keine griechischen Staatsanleihen mehr als Sicherheit akzeptieren, gewinnt die Einschätzung des ehemaligen Fed-Vorsitzenden Alan Greenspan an Glaubwürdigkeit. Greenspan hatte prognostiziert, dass die Euro-Zone auseinanderbricht, wenn die Privatinvestoren nicht mehr bereit sind, Griechenland kurzfristige Finanzhilfe zu gewähren. Ein Ausstieg Griechenlands aus dem Euro würde die Währungsunion in einen Club der starren Wechselkurse verwandeln, eine Art Wechselkursmechanismus III, und weitere Zersplitterung nach sich ziehen. Der griechische Finanzminister Varoufakis prognostizierte, dass ein Ausstieg Griechenlands den Zerfall des Euros nach sich zieht. Italiens Schulden seien nicht tragbar, so der Minister. An den Märkten wächst möglicherweise die Einschätzung, dass Griechenland nicht zu einem Kompromiss bereit ist, sondern bei den Verhandlungen am Mittwoch stattdessen »Alles oder nichts« spielt. Offenbar steigt der Risikoaufschlag für einen Ausstieg Griechenlands aus der Währungsunion. Unsere Analysen sprechen dafür, dass ein Ausstieg Griechenlands den Wechselkurs von Euro zu Dollar auf 0,90 drücken wird.

Wenn das geschieht, erleben wir möglicherweise einen gewaltigen Zusammenbruch der 26 000 Mrd. Dollar an Derivaten, die direkt an den Wert des Euros gekoppelt sind.

Die weltweiten Finanzmärkte steuern auf eine Phase höchster Gefahr zu und es gibt zahlreiche Anzeichen dafür, dass wir langsam auf eine schwere, weltweite Wirtschaftskrise zuhalten.

Lassen Sie sich vom fröhlichen Geplapper der Mainstreammedien also nicht in die Irre führen. Die letzte Krise hatten sie auch nicht kommen sehen.

 

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