Aber sowas von knapp!

Aber sowas von knapp!

24. April 2015  Manchmal muß man doch den Kopf schütteln, wenn sich die „Qualitätsmedien“ mal wieder nach Kräften blamieren. Da hat die News-Webseite von Telekom einen Artikel veröffentlicht. Überschrift: „Umfrage: Knappe Mehrheit der Deutschen sieht Islam nicht als Teil Deutschlands„. Zitiert wird eine Forsa-Umfrage im Auftrag des „Stern“ zu dem Thema. Bei dem Artikel ist links ein Feld mit einer eigenen Umfrage von Telekom – genau zu diesem Thema. Hier kann der Leser selbst abstimmen. Das Ergebnis dieser Umfrage ist sensationell und wird sicher schnell aus dem Netz verschwinden. 

Bisher haben bis 12:10 Uhr 28.696 Leser abgestimmt. Man kann nun wirklich nicht behaupten, daß die News-Seite von Telekom ein Tummelplatz für Rechtsradikale und Islamophobe ist. Wahrscheinlich sind die Besucher dieser Seite ein guter Querschnitt durch die deutsche Bevölkerung. Und sehr wahrscheinlich haben auch entsprechend ihrem nicht kleinen Bevölkerungsanteil Muslime, die den Artikel aufgerufen haben mit abgestimmt.
Und so sieht die Abstimmung auf der Telekomseite aus:

Die Umfrage, die der Artikel zitiert und berichtet, hat das Institut „Forsa“ für die Zeitschrift „Stern“ durchgeführt. Schaut man bei dem entsprechenden „Stern“-Artikel im Netz nach, so erfährt man nichts darüber, wie die Fragen gestellt worden sind, wie der Wortlaut hieß, wieviele Antwortmöglichkeiten es gab und wie diese gewichtet wurden.

Aber es steht darunter:

Datenbasis: Das Forsa-Institut befragte am 30. und 31. Juli 2014 im Auftrag des Magazins stern 1001 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger, die durch eine computergesteuerte Zufallsstichprobe ermittelt wurden. Die statistische Fehlertoleranz liegt bei +/- 3 Prozentpunkten.

Man vergleiche die Zahlen: Die Forsa-Umfrage für Stern befragte genau 1001 Bundesbürger. Die Abstimmung auf der Telekom-Seite erfaßt (bisher) 28.696 Bürger. Die Frage, was hier repräsentativer ist, erübrigt sich wohl. Daß die Umfrage selbst nicht veröffentlicht wird, macht mißtrauisch. Es hängt oft sehr viel davon ab, wie die Fragen gestellt werden, wieviele Abstufungen es gibt, und welche Fragen dann unter „Ablehnung“ oder „Zustimmung“ eingeordnet werden.

Um mal ein fiktives Beispiel zu nennen: Würde man die Frage stellen „Sind Sie der Meinung, daß Muslime, die hier in Deutschland leben, das Recht haben, ihre Religion frei auszuüben?“, wird jeder vernünftiger Mensch mit „ja“ antworten. Wird das dann als Zustimmung zu der These „Der Islam gehört zu Deutschland“ gewertet, kommt man natürlich schnell auf die Prozentzahlen, die man aus politischen Gründen gern haben möchte.

Kurz und bündig: Die Ergebnisse der Forsa Umfrage sind angesichts des wesentlich breiter aufegstellten Praxistests bei dem Telekom-Artikel mit ganz klaren Fragen anzuzweifeln. Man bekommt den Eindruck, daß bei Forsa „gewünschte Ergebnisse“ erzielt wurden.

http://quer-denken.tv/index.php/1369-aber-sowas-von-knapp

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