Tilgung unmöglich! – US-Bundesschulden übersteigen Geldmenge

Tilgung unmöglich! – US-Bundesschulden übersteigen Geldmenge

Michael Snyder 25.05.2015

Hätten Sie es gedacht: Wenn man jedem Einwohner der USA all sein Geld wegnehmen würde, würde das immer noch nicht reichen, um die Staatsverschuldung auszugleichen! Aktuell betragen die Schulden der Bundesregierung in Washington 145 000 Dollar pro Haushalt und mit jedem Jahr steigen sie weiter. Man könnte ja hier und da ein wenig zurückzahlen und irgendwann sollte der Schuldenberg doch abgetragen sein, oder? Das glauben viele, aber wie Sie sehen werden, funktioniert auch das nicht. 

Prognosen zufolge werden die pflichtgemäßen Ausgaben für Sozialversicherung, Medicaid undMedicare und die Zinsen der Staatsschuld im Jahr 2025 die Gesamteinnahmen des Staates übersteigen. Und da wurde noch nicht ein einziger lumpiger Dollar für das Militär ausgegeben, für den Heimatschutz, für Beamtengehälter oder für den Bau von Straßen und Brücken.

Heißt: Nein, wir werden in absehbarer Zeit unsere Schulden nicht »abstottern« können. Und natürlich sollten wir uns nicht nur wegen der 18 000 Mrd. Dollar Staatsverschuldung Sorgen machen. Insgesamt stehen die Amerikaner mit 58 000 Mrd. Dollar in der Kreide. Noch vor 35 Jahren betrugen die Schulden gerade einmal 4300 Mrd. Dollar.

Auf keinen Fall können all diese Schulden jemals zurückgezahlt werden. Das Beste, auf das wir hoffen können, ist, dass diese Schuldenblase sich möglichst lange hält, bevor sie schließlich platzt.

Viele Leute reagieren ganz schockiert, wenn sie erfahren, dass unsere Schulden deutlich größer sind als die Gesamtmenge an existierendem Geld. Nehmen wir uns also einen Augenblick Zeit, uns die Zahlen einmal näher anzusehen.

Vorweg die Frage: Was ist mit Geld gemeint? Die meisten Menschen würden jetzt antworten: Münzen, Scheine, Girokonto. Sie alle gehören für die Banken zur so genannten Geldmenge M1.Diese definiert Investopedia wie folgt:

Eine Maßeinheit des Geldvolumens. Erfasst wird sämtliches physisches Geld wie Münzen und Geldscheine sowie Sichteinlagen, Girokonten und »Negotiable Order of Withdrawal«-Konten [übertragbare Zahlungsanweisungen, eine Form von verzinsten Konten, die es nur in den USA gibt]. M1 misst die liquidesten Bestandteile der Geldmenge, da Bargeld und rasch liquidierbare Vermögenswerte dazu zählen.

Wie die nachfolgende Grafik zeigt, hat die US-Notenbank mit ihrer ungebremsten Politik der Quantitativen Lockerung dafür gesorgt, dass M1 in den vergangenen Jahren stark gewachsen ist. Momentan beläuft sich der Wert auf knapp 3000 Mrd. Dollar.

Würde es also unseren Kontostand überhaupt spürbar verbessern, wenn wir alle Münzen und alle Geldscheine einsammeln, alle Girokonten räumen und alles in die Rückzahlung von Schulden stecken würden? Nein, kein Stück. Wir brauchen also von irgendwoher noch mehr »Geld«.

M2 ist eine weiter gesteckte Definition der Geldmenge als M1, denn es zählen mehr Dinge dazu. Noch einmal Investopedia:

Misst das Geldvolumen, zu dem neben Barmitteln und Sichteinlagen (M1) auch Quasigeld gehört. Unter »Quasigeld« fallen bei M2 Spareinlagen, Geldmarktfonds und andere Termingelder, die weniger liquide und weniger gut geeignet als Zahlungsmittel sind, sich aber rasch in Barmittel oder Sichteinlagen umwandeln lassen.

In der Grafik sehen Sie, dass M2 bei knapp 12 000 Mrd. Dollar liegt.

Jetzt haben wir deutlich mehr »Geld«, aber es reicht noch immer nicht aus, um die Staatsverschuldung zu begleichen. Und von unseren Gesamtschulden in Höhe von 58 000 Mrd. Dollar wollen wir gar nicht erst anfangen.

Gibt es also vielleicht noch etwas, das wir uns unter den Nagel reißen könnten? Nun, die am weitesten gesteckte, allgemein gebräuchliche Definition von »Geld« ist M3. Was sagt Investopedia über M3?

Misst das Geldvolumen, zu dem M2 gehört sowie große Termingelder, institutionelle Geldmarktfonds, kurzfristige übertragbare Wertpapierbestände und andere größere liquide Vermögenswerte. Unter M3 fallen Vermögenswerte, die weniger liquide als andere Komponenten des Geldbestands sind und dichter mit den Finanzmitteln größerer Finanzinstitute und Konzerne verwandt sind als mit denen von Firmen und Personen. Diese Vermögenswerte werden als »near, near money« (»Quasi-Quasigeld«) bezeichnet.

Die amerikanische Notenbank misst M3 seit einigen Jahren nicht mehr, aber laut John Williams von Shadowstats.com liegt M3 derzeit irgendwo bei 17 000 Mrd. Dollar.

Also selbst mit der allgemeinsten denkbaren Definition von »Geld« können wir bei weitem nicht genug zusammenklauben, um die Schulden der Bundesregierung zu begleichen, geschweige denn den Rest unserer Schulden. Gute Nachrichten sehen anders aus.

Wie wäre es denn mit einem anderen Weg: Wir geben einfach etwas weniger aus, als wir einnehmen, und stottern unsere Schulden mit der Zeit ab. Das ginge doch, oder? Vielleicht war das früher irgendwann einmal möglich, aber inzwischen stehen wir schlicht mit dem Rücken zur Wand. In den kommenden Jahren wird unsere rasch alternde Bevölkerung unsere Finanzen massiv belasten.

Wie der Kongressabgeordnete Frank Wolf sagt, werden 2025 die Zinsen der Staatsverschuldung plus die pflichtgemäßen Ausgaben für Programme wie die Sozialversicherung, Medicare undMedicaid die Gesamteinnahmen der Bundesregierung übersteigen. Heimatschutz, Militär, Beamtenlöhne und so weiter sind in diesen Ausgaben noch nicht einmal enthalten!

Aber wir müssen gar nicht so lange warten, schon jetzt liegen die Dinge massiv im Argen. »Wir haben den Haushalt im Griff«, beteuert man uns, aber das ist ein gewaltiger Schwindel, der auf Zahlenspielereien beruht. Im Haushaltsjahr 2014 stieg die Staatsverschuldung der USA um über 1000 Mrd. Dollar an. Das ist nicht »im Griff haben«, das ist eine aus dem Ruder laufende nationale Krise!

Wir könnten doch die Steuern erhöhen, dann sähen die Dinge schon besser aus, meinen viele. Stimmt, tatsächlich würde man auf diesem Weg ein klein wenig mehr aus uns herausquetschen, aber die Auswirkungen auf die Staatsfinanzen wären minimal. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs haben die Steuereinnahmen der Bundesregierung irgendwo zwischen 15 und 20 Prozent des BIP ausgemacht, egal, wie hoch die Besteuerung gerade war. Ich halte einen Anteil von etwas über 20 Prozent für möglich, aber dies würde gleichzeitig unserer Wirtschaft schaden, ganz abgesehen davon, dass sich die Öffentlichkeit vor Empörung überhaupt nicht mehr einkriegen würde.

Das eigentliche Problem liegt woanders – unsere Ausgaben sind völlig außer Kontrolle geraten. In den vergangenen zwei Jahrzehnten sind die Ausgaben der Bundesregierung um 63 Prozent schneller gestiegen als die Inflation. Inflationsbereinigt haben sich die pflichtgemäßen Ausgaben für Programme wie Sozialversicherung, Medicare undMedicaid sogar verdoppelt.

Wir können es uns schlichtweg nicht leisten, auf diese Weise das Geld mit beiden Händen zu verschleudern. Und schließlich ist da ja auch noch die Sache mit den Zinsen, die wir für unsere Staatsschulden berappen müssen. Aktuell leiht uns der Rest der Welt gigantische Beträge zu lächerlich niedrigen Zinsen. Aber allein schon, wenn die durchschnittlichen Zinssätze wieder den langfristigen Durchschnitt erreichten, würden wir mehr als 1000 Mrd. Dollar jährlich ausgeben – und zwar nur für Zinsen!

Eine bessere Gelegenheit als jetzt, »unsere Schulden abzutragen«, werden wir wohl nicht mehr erleben. Die Zinsen sind dermaßen niedrig, sie können sich nur noch in eine Richtung entwickeln – nach oben. Unsere Bevölkerung wird immer älter und immer stärker abhängig von staatlichen Hilfsprogrammen.

Unterdessen explodiert auch unsere Gesamtverschuldung. Wie CNBC meldet, stehen die Amerikaner mittlerweile mit unglaublichen 58 700 Mrd. Dollar in der Kreide:

Zu Beginn der 1980er Jahre waren die Schulden noch vergleichsweise niedrig und betrugen 4300 Mrd. Dollar. Das entsprach gerade einmal dem 1,5-Fachen des Bruttoinlandsprodukts. Und dann geschah etwas Merkwürdiges:

Im Verlauf des Jahrzehnts klaffte die Schere immer weiter auseinander, in den 1990er Jahren gab es praktisch überhaupt kein Halten mehr, und so ging es bis ins frühe 21. Jahrhundert weiter.

2009 gingen die Schulden kurzfristig zurück, während das Land aus der Finanzkrise wankte, aber inzwischen sind sie wieder gestiegen und belaufen sich mittlerweile auf 58 700 Mrd. Dollar – das 3,3-Fache des BIP und 13-mal so viel wie 1980, wie Zahlen der US-Notenbank belegen. (Die Gesamtschulden sind nicht mit der Staatsverschuldung zu verwechseln. Diese beträgt 18 200 Mrd. Dollar, was 102 Prozent des BIP entspricht und Teil der Gesamtsumme ist.)

Wie oben dargelegt, enthält unser gesamtes Wirtschaftssystem nicht ausreichend Geld, um diese Schulden auch nur entscheidend zu drücken.

Wie also geht es weiter? Was passiert mit einer Gesellschaft, in der die Gesamtschulden deutlich größer sind als das zur Verfügung stehende Geld? Gibt es einen anderen Ausweg als einen Zusammenbruch?

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