Die Totalblockade der Landwirte in Leer

Widerstand in Leer – Eher verhaltene Willkommenskultur für Merkel

08. Dezember 2015 (von Niki Vogt)Treckerstau in Leer

Unsere vielgeliebte Bundeskanzlerin Angela Merkel besuchte gestern die Evenburg-Kaserne Bundeswehr in Leer, um sich dort die „einsatzvorbereitende Ausbildung“ und die Fähigkeiten des Kommandos „Schnelle Einsatzkräfte Sanitätsdienst Ostfriesland“ anzusehen. Die Leerer, vor allem die Bauern hielten wenig von dem hochmögenden Besuch, und so fiel die Willkommenskultur eher gebremst aus. Die Landwirte blockierten gemeinsam alle Zufahrtswege und Straßen zur Kaserne. 

Viele norddeutsche Bauern nahmen den Besuch der Vielgeliebten zum Anlaß, ihr zu zeigen, wie glücklich sie darüber sind, in welche Not die BRD-Regierung den Stand der Landwirte bringt.  Mit ihrer Totalblockade fordern die Bauern ein Umdenken in der Agrarpolitik. Ab 11 Uhr fuhren über 140 Schlepper vor der Evenburg-Kaserne und auf den Zufahrtswegen unaufhörlich umher und blockierten so massiv jede Möglichkeit zur Durchfahrt. Das war klug, denn solange die Fahrzeuge in Bewegung sind, zählt das nicht als anmeldepflichtige Demonstration. An der Aktion nahmen Bauern von diversen Landwirt-Verbände teil. Aber gleichgültig, in welchem Verband sich die Teilnehmer befinden: In ihrerm Zorn auf die Situation, die sich dank der Berliner Republik für die, die in der Landwirtschaft arbeiten immer weiter verschlimmert, sitzen die Landleute im selben Boot.

Treckerstau in LeerTreckerstau in Leer
Treckerstau in Leer; Foto: http://www.facebook.com/Aktive-Landwirte

Treckerstau in Leer

Die Haupt-Forderungen der Bauern richten sich auf den Erhalt der Eigenständigkeit als bäuerlicher Familienbetrieb. Diese uralte Form des Bauerntums, die seit Tausenden Jahren das Leben und Überleben eines Volkes und einer Nation sichert, ist durch die Politik stark bedroht. Selbst gut geführte Bauernhöfe müssen sehr kämpfen. Ein ausreichendes Einkommen ist nur sehr schwer zu erzielen. Hauptgrund ist die Globalisierung, die die Bauern zwingt, zu lachhaften Preisen möglichst schnell möglichst viel zu produzieren, was auch noch nach allen Transportkosten auf dem gnadenlosen Weltmarkt konkurrenzfähig sein muß. Die Bauern foordern daher eine Umkehr von der extremen Ausrichtung auf den Weltmarkt. Diese Anforderungen erzwingen Betriebsstrukturen, die Agrarfabriken sind mit menschen- und tierunwürdigen Verhältnissen und hohem Einsatz von Herbiziden, Pestiziden und Medikamenten – unter anderem den massenhaften Einsatz von Antibiotika, um Masseninfektionen unter den quälend zusammengepferchten Tieren in den riesigen, fabrikähnlichen Stallanlagen zu unterbinden. Außerdem brauchen die Bauern ein Umdenken in der Bodenpolitik. Die protestierenden Landwirte machten ihrem Ärger Luft und machten deutlich klar, daß die Politik gegen den Willen der Landwirte heimlich den Weg zu solchen Mega-Agrarfabriken ebnet, wie es die früheren LPGs in der DDR oder die Kolchosen in der Sowjetunion waren.

In einem Offenen Brief an die Bundeskanzlerin hatten die Milchbauern schon lange gefordert, endlich den „Milchmarkt in Ordnung zu bringen“. Der Wertschöpfungsverlust werde alleine in diesem Jahr bei den deutschen Milchviehhaltern 4 Mrd. Euro betragen, heißt es darin. Ständig seien Milchviehbetriebe gezwungen, aufzugeben und damit werde auch die Wertschöpfungskraft des ländlichen Raumes insgesamt erheblich sinken. Allein für Ostfriesland bedeute der Verfall des Milchpreises im letzten Jahr einen Wertschöpfungsverlust von 100 Mio. Euro, rechnet der BDM vor. Der Verband spricht sich daher für eine Mengenregulierung im Krisenfall aus, wie es auch die Länderagrarminister bei ihrer Konferenz in Fulda gefordert hätten.
Die Politik der Berliner Regierung bedeutet das Aus für viele bäuerliche Familienbetriebe und führt zu weiterem Strukturwandel und der Konzentration der Milcherzeugung in industriellen Strukturen. Die Hilfsmaßnahmen wie Liquiditätshilfen und Aufstockung des Zuschusses zur Berufsgenossenschaft sind da nur Kosmetik. Der BDM vermutet allerdings, daß es sich hierbei nicht um Inkompetenz, sondern um Absicht handelt. Das Landwirtschaftsministerium will gezielt den Strukturwandel beschleunigen.

Daher machten die Landwirte gestern eine Demo der besonderen Art. Zum Mißvergnügen der vielgeliebten Kanzlerin war es lange unmöglich, durch die gegeneinanderfahrenden Reihen der Traktoren und Schlepper hindurchzustoßen. Auch die Polizei konnte wenig ausrichten.

„Nach Angaben der Polizei büßte die Aktion der Landwirte aufgrund der Art und Weise erheblich an Akzeptanz ein. Die Landwirte seien mit niedriger Geschwindigkeit mehrere Stunden bis etwa 16.30 Uhr auf der Papenburger Straße auf- und abgefahren und hätten dadurch den Individualverkehr schwer behindert. Erhebliche Verkehrsstaus seien die Folge gewesen.“ schreibt die Osnabrücker Zeitung hierzu. Man habe von Seiten der Polizei Strafverfahren wegen Nötigung eingeleitet.
Ob die Polizei auch Strafverfahren gegen die Politiker der Berliner Republik einleitet, weil unsere Bauern absichtlich so abgewürgt werden, daß ein Hof nach dem anderen aufgeben muß, und unser Land in nicht allzuferner Zukunft sich selbst nicht mehr ernähren kann, das ist uns nicht bekannt.

Als Frau Merkel dann in der Kaserne ihre Besichtigungstour absolviert hatte, zeigte sich heute, daß auch die Angehörigen der Bundeswehr ihre Begeisterung im Zaum halten konnten. Im internen Bericht der Bundeswehr wurde der Besuch lediglich mit wenigen Sätzen rein sachlich erwähnt. Die Freude über den Besuch der Kanzlerin hielt sich in überschaubaren Grenzen. Die Kanzlerin war „beeindruckt“, war die äußerst knappe Würdigung der zuteil gewordenen Ehre.

Unsere herzlichsten Grüße dagegen an die aufmüpfigen Landwirte!

Wir können Euch, liebe Leser nur aufrufen, wenn es irgend geht, in den Hofläden der Baurn einzukaufen, direkt von den Bauernhöfen Eure Lebensmittel zu beziehen: Kauft auf den Märkten, direkt von den Bauern, feilscht nicht um ein paar Cent. Kauft keine TTIP-Importe. Stärkt unsern Bauern den Rücken!

Kleine Frage an die Polizeibeamten: Wenn die deutsche Landwirtschaft endlich kaputtgewirtschaftet ist und dann, irgendwann – zum Beispiel die USA – aus irgendwelchen Gründen Sanktionen gegen Deutschland verhängen, keine Importe, kaum eigenen Erzeugnisse, die Supermärkte sind leer und die Menschen hungrig, und auch Ihr, liebe Polzisten, könnt Eure Familie nicht ernähren … vielleicht denkt Ihr dann mal an Eure Strafanzeigen gegen verzweifelte Bauern?

http://quer-denken.tv/index.php/1917-widerstand-in-leer-eher-verhaltene-willkommenskultur-fuer-merkel

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Ein Gedanke zu „Die Totalblockade der Landwirte in Leer

  1. Tja, dafür soll’s dann TTIP geben… verfehlte EU-Agrarpolitiken amchen zudem die Entwicklungsländer noch instabiler… was dann wieder zu mehr Flüchtlingen führt. Entweder sind unsere Politiker und v.a. Merkel dumm, inkompetent, ferngesteuert oder… geschmiert??? Man weiß nicht, was man sich am ehensten davon wünschen soll!

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