Jan Böhmermann im Bundestag

Jan Böhmermann im Bundestag: Der Mainstream johlt, jauchzt und jault

Jan Böhmermann im Bundestag: Der Mainstream johlt, jauchzt und jault

Peter Bartels 13.05.2016

Bild-Postbote Wagner war offenbar kurz vor dem Infarkt. Michael Hanfeld von der FAZ wurde ausfällig. Die Alpen-Pravda Süddeutsche Zeitung bebte. Renate Künast war »sehr peinlich berührt«. Unser aller Gysi hat sich immerhin noch geärgert. Und Jan Böhmermann, der langweiligste »Humorist« Deutschlands, fand das Ganze »ungeheuerlich« …

Was war passiert? War Angela Merkel mit Erdowahn nackt am Pool in Istanbul erwischt worden? Wurde Hillary Clinton mit Obama im Schlafzimmer des Weißen Hauses überrascht (»I did not have sexual relations with that man …«)? Nichts davon! Leider? Leider!

Nur ein restlos unbekannter Hinterbänkler der CDU hatte im Bundestag ein »Gedicht« aufgesagt. Besagtes »Gedicht«. Das »Gedicht«, das über Krieg und Frieden zwischen Deutschland und der Türkei entscheidet. Und über das Schicksal von Millionen »Flüchtlingen«.

Und natürlich über das Schicksal von Angela Merkel. Und EU-Europa. Und damit über ein Heer von Spesenrittern, Suffköppen und Gender-Gouvernanten. Klaro.

Der Mann heißt Detlef Seif, 54, ist direkt gewählter CDU-Abgeordneter für den Wahlkreis Euskirchen-Rhein-Erft-Kreis II, seit 2009 im Bundestag, Rechtsanwalt, evangelisch, verheiratet, eine Tochter. Und weil es um die Abschaffung des »Majestätsbeleidigungs«-Paragrafen ging, war natürlich »alles« da im Reichstag ‒ ARD, ZDF, Phoenix, die ganze Journaille vom Mainstream halt. Und dieser hinterste aller Hinterbänkler trug tatsächlich vor, was den Sultan zur Weißglut gebracht und ‒ zu Recht ‒ vor den deutschen Kadi getrieben hatte. Und die Kanzlerin zum Kniefall.

»Ich wollte es eigentlich nicht, aber ich lese Ihnen das mal vor, damit man weiß, was hier denn überhaupt gesagt worden ist.« Und dann las der nette MdB tatsächlich brav vor, was der kleine Böhmermann im ZDF-Mini-TV unter Ausschluss einer nennenswerten Zuseherschaft als »satirisches Schmähgedicht« verhökert hatte ‒ vom »Ziegen-« bis zum »Kinder-Ficker«, vom Mini-Gemächte bis … Ersparen wir uns weitere der plumpen, restlos witzlosen, beleidigenden Details dieses »Werkes«. Der Hinterbänkler-Jurist im Plenum jedenfalls befand: »Hier wird eine Person in ihrer Ehre ganz klar angesprochen.«

Die Parlamentarier von SPD und Grünen zeigten sich spontan »befremdet«. Die Grüne Renate Künast, sie sei »sehr peinlich berührt«. SPD-Kollege Christian Flisek (wer?) moserte pikiert: »Das hätten Sie sich sparen können.« Und sogar SPD-Sitzungspräsidentin Edelgard Bulmahn räusperte sich indigniert in der Debatte: Die Abgeordneten mögen doch bitte auf »parlamentarisches Vokabular« achten.

Was immer sie damit meinte: »Sie … Sie Hodentöter!«, als Herbert Wehner einst Jürgen Todenhöfer (CDU) im Parlament niedermachte? Oder Jürgen Wohlrabe (CDU), den er zur »Übelkrähe« adelte? Wohl eher nicht, denn das war wirklich »Klosterschule« gegen das, was er da von Böhmermann rezitierte.

Der FAZ-Medienverantwortliche Michael Hanfeld resümierte: »All die vermeintlich witzigen Abseitigkeiten … gab es jetzt noch einmal im Bundestag zu hören, und das war als Schocktherapie für Renate Künast und einige andere zu viel.«

Offenbar auch für den Postboten von Bild, Franz Josef Wagner. Er bollerte schnappatmend: »Kein großes deutsches Gedicht hat es in den Bundestag geschafft. Schillers Glocke nicht, Heines Loreleynicht … Böhmermann hat es … Noch in 100 Jahren wird man in den Archiven des Bundestags die ›Schweinefurz‹ … ›Schrumpel-Klöten‹ nachlesen können …« Dann sorgt sich Wolken-Wotan Wagner: »Ob unsere Kinder oder Kindeskinder dieses Schmähgedicht einmal auswendig lernen müssen? Ich hoffe nicht. Dieses Gedicht … hat keine Melodie, keine Worte, die sich romantisch an das nächste schmiegen …«

Selbst Gregor Gysi, die immer noch rote Socke der Linken, nölte: »Ich finde es nicht witzig … es bedient Vorurteile, das ärgert mich.« Aber er »missbilligt« auch die Reaktion der Kanzlerin. Es sei höchst bedenklich, wie die Regierung vor jemandem kuscht, der massive Menschenrechtsverletzungen begehe.

Die Alpen-Pravda Süddeutsche Zeitung dagegen atmete bebend … »für all die ungeduldigen Böhmermann-News-Junkies da draußen« durch: »Hat er? Nein, er hat nicht. Keine tanzenden Ziegen auf dem ›shiny floor‹, kein Merkel-Bashing, kein lyrischer Nachtritt Richtung Präsident …« Schließlich zitierten die roten Bajuwaren auch noch den ebenso roten Gysi, der in Böhmermanns erster Sendung »danach« war: »Intern würde ich Ihnen meine Meinung geigen, nach außen aber … würde ich Freispruch fordern.«

Hanfeld brachte es schließlich für die FAZ böse auf den Punkt: »Böhmermann … meint, er kann tun und lassen, was er will … Er denkt, es genüge, dem Kanzleramtsminister, zu twittern … an die Kanzlerin zu appellieren, damit sich ja kein Gericht mit seinem Auftritt beschäftigt. Mit diesem peinlichen Sandkastenspiel beschäftigt Böhmermann seit Wochen die Republik … während Erdoğan echten Journalisten wie Can Dündar und Erdem Gül, die zu langen Haftstrafen verurteilt worden sind …, den Garaus macht.« Schließlich: Kaum hatte der Abgeordnete Seif sein »Gedicht« (im Bundestag) vorgetragen, twitterte (Böhmermann): »Das Schmähgedicht, das der CDU-Abgeordnete im Deutschen Bundestag vorgetragen hat, ist bewusst verletzend. Ungeheuerlich.«

Hanfeld harsch ausrastend: »Ungeheuerlich ist allein Böhmermanns Beschränktheit.«

Muss man dem etwas hinzufügen? Ein restlos unbegabter »Künstler« mimt seit Wochen den intellektuellen Kraftmeier. Und der Mainstream johlt, jauchzt oder jault. Je nachdem. Nur einer lacht sich kaputt, wenn auch nur im Keller: Böhmermann! Weil er auch noch Geld für den Schwachsinn bekommt. Vom Zwangsgebühren-TV. Also unser Geld …

 

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/peter-bartels/jan-boehmermann-im-bundestag-der-mainstream-johlt-jauchzt-und-jault.html

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