ESC – Jamala hätte auch »Alle meine Entchen« trällern können

Die Eurovisions-Wahrheit: Jamala hätte auch »Alle meine Entchen« trällern können

Peter Bartels 17.05.2016

Das Volk wollte Russland, die Meinungs-Mogule die Ukraine: The winner is …
Machen Schlager Politik? Nie … ! Immer … ! Schlimmer: Ausgerechnet ein Schnulzen- und Schlagerwettbewerb bewies fundamental, was nicht erst seit der Flüchtlingskrise vehement abgestritten wird: Hier die Meinungs-Mogule, da das Volk. Das Volk wollte Russland – die Mogule wollten die Ukraine. Das Volk hat verloren. Die Siegerin hätte »Alle meine Entchen« trällern können – sie hätte trotzdem gegen die Russen gewonnen. Gegen Putin … 

Grand Prix d‘Eurovision in Stockholm, 16 000 Zuschauer, Globe Arena. Schlager, Schnulzen und Schwafel-Songs aus 26 Nationen, 42 Länder durften abstimmen. Eigentlich sollte ja alles aus Europa sein. Aber da die Türkei und Israel seit Jahren auch dürfen, darf inzwischen sogar Australien. Und so heulten und hopsten sie um die Wette. Diesmal dermaßen mit »lichttechnischem Schnickschnack«, dass von den Liedchen fast nichts mehr zu hören war.

Da stürzte sich »die Kamera einem Adler gleich immer wieder von der Hallendecke hinab … flog den Zuschauer schwindlig«. So ähnlich würgte Hans Hoff für die Süddeutsche Zeitung, in dem »schon nach der Hälfte der Songs der starke Wille keimte, wenigstens einen Teil der Bilder wieder zu erbrechen«.

Es ist müßig, auf die »Künstler« sonderlich einzugehen. Weder auf die Manga-mäßig hingeschminkte 18-jährige Deutsche Jamie-Lee, die tapfer und traditionell den letzten Platz belegte. Noch auf die Gender-Gentlemen, oder die Travestie-Tanten mit echtem oder falschem Dekolleté. Bis kurz vor Schluss führte eine sehr blasse südkoreanische Australierin die Eurovisions-Riege vor einer angeblichen Opernsängerin für die Ukraine an.

Der »Geheimtipp«, ein normal aussehender Russe, war da schon unter ferner liefen. So hatten die Juroren jedenfalls bis dahin – natürlich neutral – entschieden. Und dann durften endlich auch die entscheiden, für die der Grand Prix d‘Eurovision eigentlich gemacht wird, die rund 180 Millionen Fernsehzuschauer.

Und – verdammt und zugenäht – diese Dumpfbacken entschieden gaaanz anders, als die vorher wie (natürlich nicht!) ferngesteuerten Juroren aus den jeweiligen Rundfunkanstalten. Das blöde Publikum wählte tatsächlich den Russen Sergei Lasarew zum Sieger! Weil der einfach den besten Song zum Besten gab, eine Art Hit, ohrwurmverdächtig. Nur, die »Jury« hatte ihn bereits so weit nach hinten abgeschoben, dass er es trotz machtvoller vox populi nur noch auf den dritten Platz schaffte. Und da die ukrainische Diva, die in Wahrheit Krimtatarin ist, von der Jury weit nach vorn geschoben worden war, reichte es. Das doofe Volk hatte den Russen zwar mit 361 Punkten klar auf Platz eins gesetzt, die Ukraine mit 323 Punkten ebenso klar auf Platz zwei, aber leider …

Und »natürlich« war der Song der Krimtatarin kein politisches Lied, denn das wäre nach den Statuten verboten gewesen. Es ging ja auch nur um die Tragödie der vielen Tausend Krimtataren, die Stalin einst aus der Heimat vertrieben hatte. Und Jamala erzählte ja auch nur die Geschichte ihrer Großmutter aus dieser schrecklichen Zeit: »Wenn Fremde kommen, kommen sie zu eurem Haus, sie töten euch und sagen: ›Wir sind nicht schuldig‹«, sang sie auf Englisch. Und auf Krimtatarisch: »Ich durfte auf dieser Erde nicht leben. Ich durfte mich nicht über meine Jugend freuen.« Nein, der Song sollte und wollte natürlich überhaupt nicht auf Putins Krim-Annexion vor zwei Jahren anspielen. Ganz und gar nicht. Nur ein Lied für Oma so lieb … Oma so nett … »1944«, als der sowjetische Völkermörder Stalin die Krim heimsuchte …

»Ein Sieg der Politik über die Kunst«, befand der russische Senator Klinsewitsch in den russischen Nachrichtenagenturen. Und der Vorsitzende des Außenausschusses des russischen Oberhauses, Kotschatschew, konstatierte auf Facebook: Die Geopolitik hat die Oberhand gewonnen. Die auflagenstarke Komsomolskaja Prawda wetterte gar: »Wie die europäische Jury Lasarew den Sieg geraubt hat.« Die Siegerin Jamala dagegen gab sich arglos: »Ich singe … für alle Krimtataren, weil jeder von ihnen unter der Deportation gelitten hat.« Vielleicht meinte sie wirklich damals, es klang trotzdem wie heute. Und das sollte es auch …

Ein politisch Lied, ein garstig Lied, singen die Studenten in Goethes »Faust« im Auerbachs Keller zu Leipzig. Jamala sang ein politisches Lied. Ob garstig oder rührend. Das interessierte die auf keinen Fall ferngelenkte »Expertokratie« der Eurovisions-Jury einen feuchten Kehricht – Jamala versus Putin. Da konnte es nur eine geben …

Und die Europäische Rundfunkunion hatte schon vorher vornehm auf Pergament gesiegelt: Man habe »1944« geprüft, »es entspricht den Regeln«.

Das Volk hat entschieden, gewählt und verloren. Wieder mal. Wie einst beim Kohl-Euro. Wie bei Merkels Migranten-Mantra. Wie bei ihren Euro-Milliarden für den Moslem-Sultan. Und die Meinungs-Mogule haben das Volk mal wieder gelinkt.

Noch Fragen, Deutschland ? Den nächsten Grand Prix kannst du getrost vergessen, denn »Radio NDR Belgrad« hat immer recht. Nur eines nicht, nächstes Jahr – remember September!

http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/europa/peter-bartels/die-eurovisions-wahrheit-jamala-haette-auch-alle-meine-entchen-traellern-koennen.html;jsessionid=95F2177C30B9DA785BB9123F8EC3DD1B

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